Gesang der Wale:Die Hitparade im Ozean

Männliche Buckelwale singen Lieder, um Weibchen zu beeindrucken. Manche der Tiere landen dabei regelrechte Unterwasser-Hits, die sich im Ozean verbreiten.

Christian Weber

Männliche Buckelwale singen gerne mal etwas Neues, vermutlich, um ein Weibchen zu beeindrucken und zur Paarung zu verführen. Manche der Tiere landen dabei regelrechte Unterwasser-Hits, die sich dann in Wellen durch den Ozean verbreiten.

Obwohl Buckelwal-Männchen individuelle Gesänge mit mehr als 600 Lauten produzieren könnten, verbreitet sich in jeder Saison ein gemeinsamer Hit. Meist beinhalten die Lieder Teile aus dem Vorjahr und neues Material. "Es ist, als würde man alte Beatles-Lieder mit Stücken von U2 verbinden", erklärt Ellen Garland. "Gelegentlich werfen sie einen aktuellen Song aus dem Fenster und beginnen, ein brandneues Lied zu singen." (Foto: dpa)

Ein Forscherteam um Ellen Garland von der australischen Universität Queensland berichtet im Fachmagazin Current Biology (online), es habe beobachtet, wie sich mehrere Walgesänge jeweils im Verlauf von etwa zwei Jahren im Südpazifik verbreitet haben, und zwar so gut wie immer von West nach Ost.

"Die Lieder starteten in einer Population, die an der Ostküste Australiens lebt und wanderten dann - nur die Lieder, nicht die Wale - bis nach Französisch-Polynesien", sagt Garland. Diese Inselgruppe liegt knapp 6000 Kilometer entfernt. Der Grund für diese akustische Einbahnstraße liege vermutlich darin, dass die australischen Wal-Populationen besonders groß sind und die Unterwassermusik dominieren.

Tauchen die neuen Töne in einer Population auf, etwa weil ein migrierter Wal sie vorgesungen hat, werden sie anfangs noch mit den Gesängen des vorangegangenen Jahres gemischt. Doch dann ändern die Männchen relativ schnell ihre Melodie; zum Ende der Brutsaison singen sie dann in aller Regel gemeinsam das neue Lied.

Offenbar stehen die Buckelwal-Männchen unter konkurrierenden Ansprüchen. "Wir denken, dass die männliche Suche nach neuen Liedern der Hoffnung entspringt, etwas anders zu sein und somit vielleicht das andere Geschlecht zu beeindrucken", erläutert Garland. "Dem steht das Bedürfnis entgegen, die gleiche Melodie zu singen, weil sie sich auch der Gruppe anpassen müssen."

© SZ vom 15.04.2011 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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