Mord an kurdischen Aktivistinnen in Paris:Erdogan vermutet Provokation wegen türkischer Kurdenpolitik

Politischer Mord oder Machtspiele innerhalb der PKK? Nach dem Attentat auf drei kurdische Aktivistinnen in Paris beschuldigen Teile der verbotene Arbeiterpartei die Türkei, hinter dem Mord zu stecken. Ministerpräsident Erdogan mahnt zur Ruhe und will seine Kurdenpolitik fortsetzen.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat nach dem Mord an drei kurdischen Aktivistinnen in Paris zur Ruhe aufgerufen. Die Aufklärung des Verbrechens müsse abgewartet werden, sagte Erdogan laut türkischen Medienberichten während einer Afrika-Reise. Es könne sich um eine blutige Abrechnung innerhalb der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) handeln, aber auch um eine "versuchte Provokation", die sich gegen die Kurdenpolitik seiner Regierung richte. Er werde diese Politik aber fortsetzen.

Der stellvertretende Ministerpräsident und Regierungssprecher Bülent Arinc verurteilte die Bluttat und sprach von einer "außergerichtlichen Hinrichtung". Die Türkei führe den Kampf gegen die PKK im Rahmen des Rechtsstaates. Arinc schloss nicht aus, dass sich der Anschlag gegen die derzeit laufenden Friedensverhandlungen zwischen dem türkischen Staat und dem inhaftierten PKK-Chef Abdullah Öcalan richtete.

Die PKK-Mitbegründerin Sakine Cansiz und zwei weitere kurdische Aktivistinnen waren in der französischen Hauptstadt von Unbekannten erschossen worden. PKK-Vertreter machten Kräfte im türkischen Staatsapparat für den Anschlag verantwortlich.

Die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans PKK (Partiya Karkerên Kurdistan) kämpft seit 1984 für einen eigenen Kurdenstaat oder zumindest ein politisches und kulturelles Autonomiegebiet im Südosten der Türkei. Sie hat immer wieder Anschläge verübt und sich zahlreiche Gefechte mit dem türkischen Militär geliefert.

In Deutschland ist die PKK seit 1993 verboten. Ihr Anführer Abdullah Öcalan ist seit 1999 auf einer türkischen Insel in lebenslanger Haft. Die PKK und ihre Nachfolgeorganisationen gelten in der EU und den USA als terroristische Vereinigungen. In der Türkei, im Irak, Iran und in Syrien leben mehr als 25 Millionen Kurden.

© Süddeutsche.de/AFP/rela - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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