Inhaftierte Deutsche in der Türkei:Unter Erdoğan taumelt die Türkei ins Dunkle

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan während einer Rede vor dem Präsidentenpalast bei der Einweihung eines Denkmals im Gedenken an die Opfer des gescheiterten Putschversuchs. (Foto: dpa)

Die Lage ist bedrückender als in den 80er-Jahren. Damals waren Massenverhaftungen, Folter und sogar Hinrichtungen zu beklagen. Doch es gab zumindest eine Hoffnung.

Kommentar von Mike Szymanski

Auf einer Gruselfahrt in die Vergangenheit befindet sich die Türkei: Präsident Recep Tayyip Erdoğan füllt die Gefängnisse mit seinen Kritikern: Journalisten, Intellektuelle, Linke, jetzt auch Menschenrechtler.

Wer nicht seiner Meinung ist, wird erbarmungslos verfolgt. Ein absurder Verdacht genügt heute schon, Gegner Erdoğans einzukerkern, wie der Fall der Amnesty-Mitarbeiter und des deutschen Seminarleiters Peter Steudtner wieder einmal zeigt.

Erinnerung an die 1980er Jahre

Düstere Zeiten? Wie furchtbar wahr. So schlecht wie jetzt war die Menschenrechtslage Anfang der 1980er-Jahre, nachdem sich das Militär an die Macht geputscht hatte: Massenverhaftungen, Folter - sogar Hinrichtungen waren damals zu beklagen. Viel fehlt in der Türkei des Jahres 2017 nicht mehr, um daran anzuknüpfen. Wenn Erdoğans Anhänger auf der Straße zusammenkommen, haben manche schon den Strick dabei.

In die Amnesty-Geschichte geht die Türkei 2017 als jenes Land ein, das sich als erstes traute, gleich beide Spitzenfunktionäre im Land zu verhaften. Die Lage heute ist in der Rückschau in gewisser Weise bedrückender als jene in den 80er- und 90er-Jahren. Denn damals waren es die Europäische Union und die Aussicht auf einen Beitritt, die das Land zwangen, sich zu verändern, sich zu bessern. Nur: Immer wenn Brüssel heute die Hand ausstreckt, dimmt Erdoğan das Licht eben noch ein Stück weit herunter.

© SZ vom 19.07.2017 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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