Religion:"Postchristliche Generation"

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Die Talkrunde mit jungen Menschen auf der Synodentagung der Evangelischen Kirche in Würzburg (Foto: imago/epd)
  • In Würzburg kommen bis Mittwoch 120 Delegierte zur Synodentagung der Evangelischen Kirche in Deutschland zusammen.
  • Vor allem junge Mitglieder sagen am ersten Tag, warum es die Kirche schwer hat bei Menschen zwischen 18 und 30 Jahren.
  • Eine interne Studie rät der Kirche, sich auf ihren Kern zu besinnen, auf die Religion.

Von Matthias Drobinski, Würzburg

Echte Jugendliche! Jenseits der acht Jugenddelegierten ohne Stimmrecht sind die 120 Mitglieder auf der Synodentagung der Evangelischen Kirche in Deutschland meist erfahrene Frauen und Männer mit hohem Grauhaaranteil auf dem Kopf. Und jetzt sitzen da ein Musiker und eine Bloggerin, Studentinnen und Studenten, ein Abiturient, jackett- und schlipslos, und sagen einfach, was sie denken.

Echte Jugendliche? "Ich bin 24 und nicht mehr jugendlich", protestiert eine der Frauen. Bis auf den Abiturienten Bastian Mogel sitzen da kirchennahe junge Erwachsene: Johannes Falk zum Beispiel kommt aus der christlichen Musikszene, Jana Highholder bloggt über ihren Glauben. Die Synode hat nette, intelligente Frauen und Männer aus der eigenen Community eingeladen; andere sind mittlerweile schwer zu finden. Mit 28 treten, statistisch gesehen, die meisten Menschen aus der Kirche aus.

Die Runde am Montagabend sagt ziemlich offen, warum es die Kirche schwer hat bei Leuten zwischen 18 und 30 Jahren. Da sind die langweiligen Gottesdienste sonntags um zehn Uhr zur schönsten Schlafenszeit, da ist die altbackene Sprache, und überhaupt: Wozu braucht es noch die Institution, wenn man sich doch auch so treffen und über Sinn und Glauben reden kann? Gerhard Wegner, der als Leiter des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD eine aktuelle Studie vorstellt, formuliert noch klarer: Die Institution wird für junge Leute zunehmend bedeutungslos, "sie führen ein eigenständiges, glückliches Leben, ohne uns als Kirche", erklärt er.

"Wir müssen jungen Menschen mehr zutrauen"

Wegner spricht von einer "postchristlichen Generation", in der noch ein Viertel an einen persönlichen Gott glaubt und nur noch für zehn Prozent dieser Glaube auch das Leben prägt. Die anderen haben meist gar nichts gegen die Kirche. Auf die Frage aber, was relevant fürs Leben ist, antworten sie zu 84 Prozent mit "ich selbst", zu 62 Prozent mit "meine Familie" und zu 52 Prozent "Schule, Universität, Arbeit". Keine schönen Aussichten für die Kirche. "Wir müssen jungen Menschen mehr zutrauen, sie mehr machen lassen", sagt Irmgard Schwätzer, die Synoden-Präses.

Soziologe Wegner rät der Kirche, sich auf ihren Kern zu besinnen: "Es gibt keine andere Begründung für sie außer aus der Religion heraus." Die Münsteraner Theologin Anna-Katharina Lienau kritisiert, die Kirche kümmere sich zu wenig um Menschen, die nicht heiraten oder Kinder bekommen: "Die Kirche hat mich sehr lange nicht wahrgenommen, bis ich eine Tochter bekam. Das kann ja nicht sein," sagt sie unter dem Applaus der Synodalen. Die wollen nun bis Mittwoch an Thesen feilen, wie die Kirche Junge besser ansprechen könne - über die Musik, mit neuen Formen kirchlichen Lebens. Und natürlich mit mehr Facebook, Twitter, Internet. Was immer es helfen mag.

© SZ vom 13.11.2018 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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