Aktuelles Lexikon:Ahmadiyya

Ein Erneuerer des Islams gab der Bewegung ihren Namen.

Von Matthias Drobinski

In den 1880er Jahren verkündete Mirza Ghulam Ahmad aus dem indischen Quadian, er sei der Erneuerer des Islams, der Mahdi der Endzeit und der wiedergekehrte Messias, der die Kreuzigung überlebt habe und in Indien gestorben sei. Nach seinem Tod spaltete sich die Ahamdiyya-Bewegung; ein Zweig gründete 1924 in Berlin-Wilmersdorf die älteste heute noch erhaltene Moschee in Deutschland. Weltweit hat die Ahmadiyya-Bewegung derzeit etwa zehn Millionen Anhänger, die meisten in Südasien. Wegen ihres eigenen Islam-Verständnisses werden sie in vielen islamischen Ländern verfolgt, vor allem in Pakistan und Bangladesch. Von den knapp 50 000 Ahmadiyyas in Deutschland stammen die meisten aus diesen Ländern, die Gemeinschaft zieht aber auch viele Konvertiten an. Die Ahmadiyyas betont den friedlichen Charakter des Islams; sie wünschen "Liebe für alle, Hass für keinen". Kritiker verweisen auf den religiösen Konservatismus der Gemeinschaft, die strikte Trennung von Frauen und Männern und den Ausschluss von Frauen, die Nicht-Ahmadis heiraten. Wie straff organisiert die Ahmadiyyas in Deutschland sind, zeigen sie jedes Jahr bei ihrem Friedenstreffen, das diesen Freitag in Karlsruhe beginnt: Die Veranstalter rechnen mit 40 000 Teilnehmern - quasi mit allen Gläubigen, die reisefähig sind.

© SZ vom 05.07.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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