Grüne:Ein Feuer unterm Hintern schadet nicht

Eine Herausforderung für die Grünen: Gemeinsam mit Kirsten Kappert-Gonther will Cem Özdemir an die Spitze der Fraktion. (Foto: Christian Spicker/imago)

Cem Özdemir will zusammen mit Kirsten Kappert-Gonther an die Spitze der Grünen im Bundestag. Das Manöver ist riskant - aber gut für die Fraktion.

Kommentar von Constanze von Bullion, Berlin

Kaum haben die Grünen die Wahlen in Ostdeutschland überstanden, kündigt sich ein Machtkampf an. Ex-Parteichef Cem Özdemir, der nach den Jamaika-Sondierungen recht unsanft in die zweite Reihe gebeten worden war, will mit der Bremer Abgeordneten Kirsten Kappert-Gonther den Fraktionsvorsitz im Bundestag übernehmen. Ein Putsch gegen die Amtsinhaber Katrin Göring-Eckardt und Toni Hofreiter? Ach, Quatsch. Aber ein riskantes Manöver.

Denn während die Parteilinke Kappert-Gonther ihre Kandidatur als Aufbruch in irgendwas Neues verkaufen kann, ist Realo Özdemir bestens bekannt: als brillanter Redner und schneller Kopf, aber eben auch als einer, der zum Egotrip neigt. Özdemirs Besserwisserei ist legendär und sein gefährlichster Feind. Und kaum einer seiner Parteifreunde vermisst die Zeit, als er mit Parteichefin Simone Peter final verkracht war, der Draht zwischen Partei- und Fraktionsspitze abriss. In einer Phase sacht sinkender Umfragewerte wäre das Gift für die Grünen.

Und doch, es tut der Fraktion gut, dass jetzt Schluss mit gemütlich ist. Göring-Eckardt und Hofreiter haben zuletzt nicht eben geglänzt mit neuen Ideen. Vieles ist arg erwartbar geworden. Erfahrung, Verlässlichkeit? Alles gut und schön. Aber ein Feuer unterm Hintern kann da nicht schaden.

© SZ vom 09.09.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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