Kampf um CDU-Vorsitz:Merz klarer Favorit der Jungen Union

Politischer Abend in Hamburg

Friedrich Merz zu Gast bei der Hamburger CDU im Oktober

(Foto: Axel Heimken/dpa)

Mehr als die Hälfte des CDU-Nachwuchses spricht sich für den ehemaligen Unionsfraktionschef als neuen Vorsitzenden aus. Dahinter landet Außenpolitiker Röttgen - noch vor Armin Laschet.

Die Junge Union (JU) plädiert mit großer Mehrheit für Friedrich Merz als neuen CDU-Vorsitzenden. Bei einer zweiwöchigen Mitgliederbefragung des Parteinachwuchses kam Merz auf 51,6 Prozent der Stimmen, wie JU-Chef Tilman Kuban in Berlin mitteilte. Der Außenpolitiker Norbert Röttgen lag mit 27,9 Prozent auf Platz zwei vor NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der 19,8 Prozent der Stimmen erzielte.

An der Abstimmung nahmen allerdings nur 14 983 der fast 75 000 stimmberechtigten Mitglieder der JU teil, sagte Kuban. Der bayerische Landesverband nahm nicht an der Abstimmung teil.

Das Votum galt als Stimmungstest vor der für Mitte Januar geplanten Wahl eines neuen Parteichefs. Die JU wird in der Partei traditionell als eher konservativ eingeschätzt - Merz galt schon vor der Befragung als Favorit des Nachwuchses.

Kuban sagte, es handele sich um eine insgesamt unverbindliche Abstimmung. Auf die Frage, ob es neben Merz, Laschet und Röttgen noch weitere Kandidaten für den Parteivorsitz geben werde, sagte Kuban, er rechne nicht damit, dass sich am Personaltableau bis zum Parteitag noch etwas ändere. Dieser ist am 16. Januar geplant.

In der CDU hieß es zum Abschneiden Röttgens, dieser erscheine offenbar für viele der jungen JU-Mitglieder als frisches, neues Gesicht. Beim Parteitag zur Wahl eines Nachfolgers von Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer werden ihm allerdings nur Außenseiterchancen gegeben. Das Resultat der Mitgliederbefragung gilt als Empfehlung des CDU-Nachwuchses für die Vorsitzendenwahl. Kuban kündigte an, er selbst werde sich beim Wahlparteitag an das Ergebnis halten. Unter den 1001 Delegierten des CDU-Parteitags sind nach JU-Angaben etwa 100 auch Mitglied der Jugendorganisation.

Die CDU will Mitte Januar bei einem Bundesparteitag über ihren Vorsitz entscheiden. In Betracht kommen nach einem heftigen Streit und einer Einigung der drei Kandidaten Merz, Laschet und Röttgen vom Wochenende neben einem Präsenzparteitag ein dezentraler Präsenzparteitag oder ein Online-Parteitag mit elektronischer Abstimmung und schriftlicher Schlussabstimmung per Briefwahl.

Online-Parteitag gilt als wahrscheinlichste Variante

Wegen der drastisch wachsenden Zahlen von Corona-Infektionen gilt der Online-Parteitag mit schriftlicher Schlussabstimmung intern als wahrscheinlichste Variante. Nach der bisherigen Planung will die CDU-Spitze die Auswirkungen der Pandemie auf die Planung am 14. Dezember neu bewerten und endgültig über die Organisation des Parteitags entscheiden.

Das Thema dürfte aber auch bei Gremiensitzungen im November eine größere Rolle spielen. So kommt das CDU-Präsidium, die engste Führungsspitze um Kramp-Karrenbauer, am 9. und 16. November zusammen. Der größere Vorstand tagt am 16. November. Merz, Laschet und Röttgen hatten sich am 18. Oktober bei einer im Internet übertragenen Vorstellungsrunde der JU erstmals gemeinsam auf einer Bühne einem breiteren Parteipublikum präsentiert. Anschließend startete die zweiwöchige Mitgliederbefragung.

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