Skispringer Karl Geiger:"Der Karl is a Hund"

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Mentalmonster: Karl Geiger nach seinem Bronze-Erfolg auf der Großschanze. (Foto: Daniel Karmann/dpa)

Wind und Schneeflocken: In einem turbulenten WM-Springen von der Großschanze gewinnt Karl Geiger mit Bronze seine dritte Medaille in Oberstdorf. Die rundeste Geschichte steuert der neue Weltmeister bei.

Von Volker Kreisl, Oberstdorf

Kurz vor dem Ende des Winters waren die warmen und sonnigen Tage vorbei und es schneite dicke Flocken. Der Wind blies den Schanzenberg hinauf und zwar teils kräftiger als die großen Elektroföhns der Helfer, die die Anlaufspur vom bremsenden Schnee befreien sollten. Auch das beste Blaskommando konnte nicht verhindern, dass die Bedingungen sehr unterschiedlich ausfielen beim WM-Großschanzenspringen am Freitagabend in Oberstdorf

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Nicht jeder kann Glück haben, bei so einem Wetterspringen, am Ende jedoch regte sich wenig Ärger über das Ergebnis. Denn es stand nicht nur Bronzegewinner Karl Geiger schon wieder auf einem Podium, sondern lauter Springer, die in irgendeiner Form belohnt wurden, für ihr Pech oder aber für das ihrer Teamkollegen. Neuer Weltmeister ist Stefan Kraft, der Österreicher, der nach einer Corona-Infektion zu Saisonbeginn lange angeschlagen war. Silber gewann Robert Johansson aus Norwegen, der diesen Winter im Schatten von Halvor Egner Granerud stand, des Saisonbesten, der sich nun wegen eines Corona-Positivtests in Quarantäne befand.

Und als Dritter sammelte Geiger nun seine dritte Medaille bei dieser WM im eigenen Dorf ein, woraufhin Markus Eisenbichler als Erster auf ihn zustürzte, der kurz zuvor nach einem weiten Sprung kopfüber fast in den Schnee getaucht war - sich aber dabei noch aufrichtete und die Arme ausbreitete, sodass statt eines gefährlichen Kopfsprunges so etwas wie ein "Rettungsschwimmer" herauskam, wie sein Trainer Stefan Horngacher später im ZDF befand.

Eisenbichler war also schon bald wieder wohlauf, der Rest seines Frustes und etwaiger Schmerzen nach dem Aufprall dürfte beim Medaillenerfolg Geigers verflogen sein. Beide sind ja sonst Zimmerkollegen und planen und hoffen nach dem Motto: Hauptsache einer schafft's. "Der Karl is a Hund!", bemerkte Eisenbichler nun zu dessen Erfolg, Horngacher befand gar: "Ich habe noch nie einen Athleten trainiert, der so eine mentale Stärke hat." Im Mannschaftsspringen am Samstag sind wieder beide dabei, Eisenbichler und Geiger, zudem Pius Paschke; der Kiefersfeldener, am Freitagabend 18., ist ein konstanter Akteur. Die vierte Position vergab Horngacher noch kurz nach dem Springen auf der Großschanze an Severin Freund, der als 22. etwas sicher und auch weiter als Kollege Martin Hamann (24.) gesprungen war.

Die rundeste Geschichte steuert der neue Weltmeister bei

Eisenbichler war nicht der Einzige, der von einem Sturz erwischt wurde, auch zwei weitere erfahrene Springer, gar Tourneesieger, landeten im Tiefschnee: Ryoyu Kobayashi aus Japan und der Slowene Peter Prevc. Andere, die es rechts oder links außerhalb der Landespur getragen hatte, konnten sich artistisch auf den Beinen halten, sie zeichneten Spuren in den Tiefschnee. Die schönsten Sprünge, die eleganteste Landung und die rundeste Geschichte aber steuerte Stefan Kraft bei, der Sieger und neue Weltmeister.

Er hatte im Kreise der Mitglieder dieses winterlichen Wanderzirkus' in der Saison 2020/2021 den wohl größten frühen Rückschlag erlitten. Bei der gemeinsamen Fahrt zum Saisonauftakt nach Polen hatte, so die allgemeine Vermutung, einer der ÖSV-Fahrgemeinschaft das Virus mit dabei, danach war unter anderem auch Kraft infiziert, er mussten zurück nach Hause, und der 27-Jährige erwischte einen etwas schwereren Verlauf. Vor allem der Rücken täte immer noch weh, erzählte er viele Wochen später bei der Vierschanzentournee. Dort mit dabei war er unter anderem deshalb, weil es schon egal war, ob er sich zu Hause oder beim Skispringen aufhalte, wie er berichtete.

Das Skispringen hat ihn vielleicht ein bisschen schneller geheilt, jedenfalls kam Kraft im Laufe des Januars und Februars immer besser in Form, er liebt ja die Schanze in Oberstdorf. Als das Training hier begann, da sprang er in fast allen Einheiten, einschließlich der Qualifikation, die Bestweite und wurde jetzt, da der Winter und die Saison bald vorbei sein werden, doch noch - zum dritten Mal - Weltmeister.

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