SZ-Kolumne "Bester Dinge":Fettes Lob

(Foto: Nathalie Lieckfeld/imago images / imagebroker)

Die belgischen Frittenbuden sollen Weltkulturerbe werden. Wer das für Quatsch mit Soße hält, sollte sich für den Rest seines Lebens ausschließlich von Chia-Samen und Goji-Beeren ernähren!

Von Titus Arnu

Perfekte Pommes sind im Prinzip wie die Männer in Herbert Grönemeyers Song: außen hart und innen ganz weich. Und wenn man sie vorsichtig mit den Fingerspitzen anfasst, sind sie in der Regel auch gut genießbar. Die besten Fritten kommen aus Belgien und werden zweimal frittiert, bis sie goldbraun und knusprig sind. Serviert werden sie nicht als "Pommes Schranke" wie im Ruhrgebiet oder gar mit Essig wie in England, sondern mit einer von mehr als 30 möglichen Soßen. Besonders beliebt in Belgien und Holland: eine Spezialmischung aus Ketchup, Majo, Curry und Zwiebeln.

Im Vergleich zur französischen Haute Cuisine, die 2010 zum immateriellen Weltkulturerbe geadelt wurde, fristeten die Fritten lange ein kulinarisches Underdog-Dasein. Sie galten als minderwertiger Imbiss, als fett und ungesund, während vegane Bowls, Chia-Samen und Goji-Beeren als Wundermittel für das Weltklima, die Bikini- respektive Waschbrettbauch-Figur und gegen allerlei Krankheiten angepriesen werden. Wenn man völlig übernächtigt nach zehn Stunden körperlicher Anstrengung heiße Pommes isst, bekommt der Begriff "Superfood" allerdings erst so richtig Biss.

Es ist also höchste Zeit, die Pommes aus der Schmuddelecke zu holen und sie angemessen zu würdigen. Die belgischen Frittenbuden sollen deshalb auch einen Ehrenplatz in der Riege des immateriellen Weltkulturerbes bekommen, zwischen Pizza, Kimchi und Couscous. Einen entsprechenden Antrag hat der belgische Pommesverband Navifrit eingespeist. Ein fettes Bravo aus Bayern dafür - und bitte einmal Sauce special dazu, scharf auch, danke.

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