Aktuelles Lexikon:Junker-Hansen-Turm

Der Junker-Hansen-Turm im hessischen Neustadt ist der größte Fachwerkrundbau der Welt. (Foto: imageBROKER/Norbert Probst/imago/imagebroker)

In seiner ursprünglichen Bestimmung nutzlos, ist er heute eine Pracht.

Von Joachim Käppner

Mit Rekorden, selbst wenn sie wie dieser im Guinness-Buch der Rekorde stehen, muss man vorsichtig sein, und wenn das hessische Neustadt sich des größten erhaltenen Fachwerkrundbaus der Welt rühmt, so könnten Beckmesser einwenden: Fachwerkbauten waren meistens rechteckig... Aber was soll's, das infrage stehende Gebäude ist tatsächlich eine Pracht. Stolze 48,80 Meter erhebt sich der Junker-Hansen-Turm in die Höhe über Neustadt. Benannt ist er nach Hans von Dörnberg, Hofmeister des hessischen Landgrafen Heinrich III. und 1480 Auftraggeber des Rundturms, der in der oberen Hälfte aus Fachwerk errichtet und mit spitzen Erkertürmchen verziert ist. Soeben wurde der Turm nach langer Sanierung wieder geöffnet, die gut eine Million Euro aus Landesmitteln gekostet hat. Das Bauwerk, durch das eine steinerne Spindeltreppe führt, hat seinen Gründern womöglich weniger Freude gemacht. Der Riesenturm diente nicht nur der Repräsentation von Macht und Herrschaft, sondern war auch eine Reaktion auf das Aufkommen der Feuerwaffen und sollte vor Kanonenkugeln schützen, gemeinsam mit drei weiteren seiner Art und einer passend dicken Verbindungsmauer. Wahrscheinlich verschlang aber schon der eine Turm so viel Geld, dass man es dann lieber bei ihm beließ. Viel Sinn hat er als Solitär also nicht gehabt. Aber vielleicht kam er gerade deshalb heil durch alle Zeiten.

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