Wahlkampf der Grünen:Habeck, der grüne "Boost" im Dauerregen

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Der Marienplatz wird zur politischen Bühne: Robert Habeck am Mittwochabend vor dem Münchner Rathaus. (Foto: Stephan Rumpf)

Der Co-Parteichef soll den Grünen im Wahlkampf-Endspurt nochmal einen Schub geben. Zumindest auf dem Marienplatz scheint das zu gelingen - dabei helfen Erinnerungen an Bierzelt-Erlebnisse.

Von Heiner Effern, München

Am Marienplatz wurde schon so mancher Meister von seiner Fangemeinde gewürdigt, am Mittwochabend wurde dort ein "grüner Boost" empfangen, wie es "keinen besseren" für den Wahlkampf-Endspurt der Grünen geben könne. So wurde Robert Habeck, der Co-Vorsitzende seiner Partei im Bund, jedenfalls vor seiner Rede angekündigt.

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Bürgermeisterin und Parteifreundin Katrin Habenschaden erinnerte dann zum Anheizen der Stimmung eben an die Siegesfeiern im Zentrum ihrer Stadt inklusive Freibier - und Habeck saß im Regen. Erst kamen ein paar Tropfen, dann immer mehr und immer dichter. Habeck lehnte an seinem Sitzplatz einen Schirm an, sprang auf die Bühne, zog das nasse Sakko von den Schultern und machte den Regen einfach zum Gradmesser für das Ergebnis der Wahl am 26. September. "Wenn ihr bleibt, gewinnen wir", rief er von der runden Bühne den Menschen zu, die den Marienplatz mit weitem Corona-Abstand sehr ordentlich füllten.

Ganz im Sinne der Münchner Parteifreunde begann Habeck seine Ansprache mit einer Erinnerung an eine große Leistung seiner Partei. Das Ergebnis bei der letzten Landtagswahl in Bayern sei der Start des Aufstiegs der Grünen in Deutschland in den vergangenen Jahren gewesen, sagte er. Im damaligen Wahlkampf habe er sogar den "fantastischsten Abend" seiner politischen Karriere erlebt. In einem Bierzelt im Münchner Umland, das ihm als leeres, ignorantes und feindliches Revier angekündigt worden war. Habeck erlebte den Abend dann vor 3000 Besuchern "als Explosion der Leidenschaft".

So weit brachte er die Münchner am Mittwoch mit seiner Rede nicht. Er sprach der großen Koalition die Fähigkeit zur Verantwortung für das Land ab, führte das "moralische Versagen" in Afghanistan und das drohende Versagen beim Kohleausstieg als Beispiele an. Die Wende soll mit den Grünen kommen, die Klimawende und die politische. Es gelte "zu finalisieren, was hier in Bayern angefangen hat".

Der Applaus war begeistert, das Verharren der Leute im Regen deutete nach Habeckscher Auslegung nicht auf einen Kantersieg oder eine Meisterfeier hin, aber auf ein gutes Ergebnis. Sicher nicht der zweit-fantastischste Abend für ihn und die Grünen, aber Habecks Meinung nach ein "großartiger".

© SZ vom 16.09.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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