Golf-Masters in Augusta:Er spielt in einer ganz anderen Welt

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Scottie Scheffler dominierte das Geschehen in Augusta - und bekam deshalb wie von Geisterhänden (in diesem Fall: 2021-Triumphator Hideki Matsuyama) das Grüne Jackett des Masters-Siegers überreicht. (Foto: Andrew Redington/AFP)

Scottie Scheffler setzt seine imponierende Erfolgssträhne auch beim Masters fort. Der 25-jährige Amerikaner wirkt so cool und überlegen, dass man kaum glauben mag, dass er noch am Morgen des Sieges schwer an sich gezweifelt hatte.

Von Felix Haselsteiner

Es waren die finalen Sekunden seines größten Triumphes, die noch einmal unter Beweis stellten, dass Scottie Scheffler ein einzigartiger Golfspieler ist. Scheffler hatte seine Konkurrenten über 71 Löcher auf Distanz gehalten, er hatte den Platz beherrscht wie sonst niemand im Teilnehmerfeld, hatte alles leicht aussehen lassen und wirkte fast schon unantastbar. Das 18. Grün des Augusta National Golf Club betrat er mit fünf Schlägen Vorsprung, und weil nun wirklich gar nichts mehr passieren konnte, begann Scheffler, seinen großen Auftritt zu genießen.

Bis knapp vor Schluss war er voll konzentriert - dann unterliefen ihm im Gefühl des sicheren Sieges doch noch Fehler

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"Bis zum 18. Loch war ich komplett in meiner Konzentration", sagte er nachher. Das Kuriose war: Man sieht ihm diese Fokussierung gar nicht an. Aus der Ferne betrachtet, hatte es an allen vier Tagen keinen Moment gegeben, in dem Scheffler angespannt oder gar verunsichert gewirkt hatte. Vielmehr war er der gewohnt entspannte junge Kerl, ein echter Spieler und ein angenehmes Gegengewicht zu den akribischen Zerdenkern, die stundenlang brauchen für ihre Schläge.

Nun, auf dem 18. Grün, unterhielt sich der angehende Sieger schmunzelnd mit seinem Caddie Ted Scott, blickte in die Zuschauermenge, er lächelte zufrieden. Dann stellte er sich hin, um die Formalie des letzten Puttes zu erledigen - und verschob diesen gleich zweimal aus kurzer Distanz. "Da seht ihr mal, was passiert, wenn ich mich nicht konzentriere", sagte Scheffler nachher der versammelten Presse.

Sportlich waren die Putts irrelevant, Scheffler gewann am Ende immer noch mit drei Schlägen Vorsprung in beeindruckender Manier das Masters, sein erstes Major-Turnier. Aber es waren diese finalen Momente, in denen man einen Blick erhaschen konnte in das Innenleben des 25-jährigen Texaners, der gerade den Golfsport dominiert.

Half ihrem Mann in Momenten des Zweifels: Meredith Scudder feiert mit ihrem etwas größer gewachsenen Gatten Scottie Scheffler. (Foto: Brian Snyder/Reuters)

Scheffler hat in den vergangenen acht Wochen, in denen er nun unglaubliche vier Turniere gewann, seinen Ruf als lockerster aller dominanten Sieger immer wieder untermauert. Die Sicherheit, mit der er sich vier Runden lang durch den schwierigen Kurs in Augusta manövrierte, war nun wiederum so beeindruckend, dass es fast wirkte, als spiele er in einer ganz anderen Welt Golf. Auch in der Finalrunde, als er zweimal auf den ersten neun Löchern in Bedrängnis geriet, befreite sich Scheffler so leichtfüßig, als könne ihn gar nichts bedrängen - nicht der Platz und nicht der Wind, erst recht nicht sein Hauptgegner, der Australier Cameron Smith, der sich an Loch Zwölf mit einem Fehlschlag ins Wasser aus dem Rennen verabschiedete. Ab da war es ein noch entspannteres Finale für Scheffler den Unbesiegbaren, die Nummer eins der Welt.

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Kommentar von Felix Haselsteiner

"Wie ein Baby geweint": Neben dem einen, stets lächelnden Scheffler gibt es noch einen zweiten

Nach seinem großen Erfolg jedoch berichtete er davon, dass es neben dem entspannten, stets lächelnden Scottie, den die Fernsehkameras auf dem Golfplatz einfangen, noch einen zweiten gibt. Am Sonntagmorgen noch habe er "wie ein Baby geweint", sagte Scheffler. Zu seiner Frau Meredith habe er gesagt, er "fühle sich nicht bereit dafür", dieses Turnier zu gewinnen. Es sei alles eine Nummer zu groß für ihn. Und überhaupt: Seit Tagen hatte er Bauchschmerzen, sein schwacher Magen begleitet ihn schon seit Jugendtagen. Scheffler fühlte sich miserabel.

Dafür, dass er sich bis zu seiner Abschlagszeit wieder fand, sorgte einerseits seine Frau. Meredith war in den vergangenen Wochen, in denen die Schefflers so viele Erfolge feierten, immer wieder bei den Siegerehrungen zu sehen, sie ist die wichtigste Bezugsperson abseits des Platzes. Am Sonntag beruhigte sie ihren Mann mit den Worten, dass ohnehin nur Gott ihn führen könne - und es für sein Leben und ihre Liebe unerheblich wäre, ob er das Masters gewinnt oder nicht. Das alles klingt romantisch bis kitschig, aber in gewisser Weise repräsentiert Scottie Scheffler eben diese texanisch-traumhafte Perfektion: Er ist ein gläubiger, höflicher, humorvoller, wohlerzogener Familienmensch, der nach eigener Aussage natürlich am liebsten Country-Musik hört.

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Der National Golf Club ist die traditionsreichste Institution seines Sports - und entwickelt nicht nur jedes Jahr den Platz weiter, sondern ebenso sein Image. Das liegt auch an einem Revolutionär im grünen Jackett.

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Kam auch in der Schlussrunde nur selten vom Weg ab: Scottie Scheffler auf der ersten Bahn. (Foto: Jonathan Ernst/Reuters)

Entscheidend für seinen Masters-Sieg war aber auch, dass Scheffler sich an keinem Ort wohler fühlt als auf einem Golfplatz. Der Stress, die Bauchschmerzen, all das sei beim Betreten der Anlage in Augusta weg gewesen: "Auf dem Platz macht es einfach nur Spaß." Er habe sich bei seiner erst dritten Teilnahme am Masters stets wohlgefühlt, auch in Begleitung seines erfahrenen Caddies: Ted Scott navigierte bereits Bubba Watson zu dessen zwei Masters-Siegen. Nun sorgte er dafür, dass Scheffler sein grünes Jackett bekam, überreicht von Vorjahressieger Hideki Matsuyama, der ihm ebenfalls nicht nahe kommen konnte.

Tiger Woods wirkt gelöst wie selten, Rory McIlroy legt eine fast perfekte Runde hin und wird noch Zweiter

Die gewohnt eindrücklichen Szenen in der Abendsonne von Georgia gehörten Scheffler - aber es waren die nicht die einzigen rührigen Momente. Früher am Nachmittag hatte sich die Menge bereits für Tiger Woods erhoben, der heldenhaft die letzten Meter den Hügel hinauf schritt, mit sichtlichen Schmerzen am operierten Knie. Es war von vornherein klar gewesen, dass Woods' Ergebnis zweitrangig sein würde; am Ende kam er auf Rang 47.

Sein Erscheinen allein war ein Triumph, und auch wenn er am Ende ein wenig humpelte: So gelöst wie nach dem Masters 2022 hatte Woods vielleicht noch nie gewirkt. Befreit und stolz winkte er in die Zuschauermenge, ergriffen von der Begeisterung für ihn. Er verabschiedete sich zudem mit der Meldung, dass er spätestens bei der Open Championship im Juli in St. Andrews wieder spielen werde - Woods' Comeback in Augusta war der Beginn einer neuen Karrierephase für ihn, in der er zwar weniger spielen wird, aber wieder ein aktiver Teil der Golfwelt ist.

Die ist allerdings auch ohne Woods' sportliche Beteiligung im Kampf um Siege in guten Händen. Scheffler, der vier Tage lang in Klamotten mit dem Logo von Woods spielte, ist der Spieler der Stunde und hat sich innerhalb von acht Wochen den Status des Dominators erarbeitet.

Doch am Sonntag deutete sich an, dass die Konkurrenten nicht einfach verschwunden sind, auch wenn es zuletzt manchmal so zu sein schien: Rory McIlroy spielte eine nahezu perfekte Runde in 64 Schlägen, auf Loch 18 lochte er einen Bunkerschlag ein und versetzte damit die Zuschauer einmal mehr in Ekstase. Es war eine beeindruckende Aufholjagd von McIlroy, sein Endergebnis von sieben Schlägen unter Par hätte in vielen Jahren locker gereicht, um das Masters zu gewinnen. 2022 allerdings ist das Frühjahr von Scottie Scheffler.

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